Cannabis

Die Cannabis-Pflanze gehört zur Familie der Hanfgewächse. Man unterscheidet die drei Hanfsorten Cannabis indica, Cannabis ruderalis und Cannabis sativa. THC ist der Hauptwirkstoff und gehört zur Stoffgruppe der Cannabinoide. Neben dem Wirkstoff THC gibt es noch mehr als 60 weitere Cannabinoide, die in ihrer psychoaktiven Wirksamkeit stark variieren. Jede Cannabis-Sorte unterscheidet sich in ihrem Wirkstoffgehalt und in der Zusammensetztung der Cannabinoide. Es gibt Sorten, die eher beruhigend wirken, andere wirken aktivierend.

Inhalt

Sortenübersicht

Cannabis Chart Tabelle

Cannabis Therapie auf Privatrezept

Seit März 2017 besteht die Möglichkeit Cannabis auf BTM-Rezept zu verordnen. Dies ist nun ein Novum für alle niedergelassenen Ärzte. Da der Gesetzgeber dies aus gegebener, medizinischer Indikation erlaubt hat, empfiehlt sich dies nun mit all gebotener Gewissenhaftigkeit zu tun. Daher ist es wichtig eine ausführliche Erstanamnese zu erheben – entsprechend und analog der “GOÄ a30 der Gebührenordnung für Ärzte ( GOÄ). Bitte lesen Sie sich dazu meine Erstinformation durch! Sie finden diese im Kontakt Bereich.

Die unterschiedlichen Cannabissorten

Grundsätzlich wird bei einer Cannabis Therapie zuerst mit THC-armen Sorten begonnen. Der THC Gehalt wird dann bei Bedarf schrittweise erhöht. Viele Patienten bevorzugen jedoch Präparate mit hohem CBD Gehalt.

Von Dr. Ethan Russo

Cannabiskonsumentinnen haben immer darauf hingewiesen, dass verschiedene Arten (Sorten, chemische Varietäten, Kulturvarietäten) unterschiedliche Wirkungen verursachen, sowohl hinsichtlich ihrer Psychoaktivität als auch ihrer therapeutischen Eigenschaften. Sorten werden häufig als sativa, indica oder als hybrid bezeichnet. Diese Bezeichnungen sind allerdings auf den Markt bezogen recht irreführend. Im Gegensatz dazu hat sich die wissenschaftliche Gemeinschaft weitgehend auf Tetrahydrocannabinol (THC) als die wichtigste oder einzig wichtige Variable konzentriert. Es ist klar, dass sich das selektive Züchten von Cannabis für den medizinischen Markt und den Freizeitkonsum auf THC- reiche Cannabissorten konzentriert hat, unter Ausschluss anderer Cannabinoide. Einige Forscher haben die Wichtigkeit zusätzlicher Bestandteile, insbesondere der Terpene, die aromatischen Bestandteile von Cannabis, die wie die Cannabinoide in den Trichom-Drüsen produziert werden, als wichtige Modulatoren der Cannabiswirkungen betont (McPartland & Russo, 2001, Russo 2011).

Was sind die anderen Cannabinoide in Cannabis?

Das häufigste Phytocannabinoid neben THC ist Cannabidiol (CBD). Es war früher beispielsweise weit in den Cannabis-Landrassen aus Afghanistan und Marokko verbreitet, ist jedoch weitgehend aus Cannabis für den Freizeitkonsum verschwunden. Es findet sich auch in Faserhanf, im Allgemeinen jedoch in einer geringen Konzentration. CBD hat eine zunehmende Aufmerksamkeit durch seine verschiedenen medizinischen Eigenschaften erzielt, darunter schmerzlindernde und entzündungshemmende Wirkungen ohne Rausch oder Sedierung. Es reduziert auch die Nebenwirkungen des THC, wenn sie gemeinsam verabreicht werden, insbesondere Angst und schnelle Herzfrequenz.

Zusammen eingenommen können die beiden Komponenten bei vielen Anwendungen synergistisch wirken. Andere Cannabisbestandteile von Interesse sind Tetrahydrocannabivarin (THCV), das traditionell in geringen Mengen in chemischen Varietäten in Südafrika vorkommt. Es wird gegenwärtig für die Behandlung des metabolischen Syndroms, das häufg der Entwicklung des Typ-II-Diabetes vorausgeht, untersucht. Andere Phytocannabinoide, die zur Zeit untersucht werden, umfassen Cannabigerol (CBG) für Prostatakrebs, Cannabidivarin (CBDV) für Epilepsie und verschiedene andere.

Wie verhält es sich mit den Terpenen?

Es gibt starke Hinweise, dass diese in geringen Konzentrationen vorkommenden Bestandteile in Ganzpflanzen-Zubereitungen von Cannabis zu den Wirkungen der Phytocannabinoide beitragen, indem sie ihren eigenen therapeutischen Nutzen entfalten oder Nebenwirkungen des THC abschwächen. Hier sind vor allem Limonen mit bekannten antidepressiven Wirkungen, Pinen, das die durch THC verursachten Einschränkungen des Kurzzeitgedächtnisses abschwächt, Myrcen, welches sediert, sowie Beta - Caryophyllen, das den nicht psychoaktiven CB2-Rezeptor aktiviert und entzündungshemmende und schmerzlindernde Wirkungen verursacht, zu nennen. Weitere Forschung wird die relative Bedeutung dieser Substanzen in verschiedenen Cannabiszubereitungen untersuchen.

Über den Autor: Dr.med.Russo ist Neurologe und als Berater für GW Pharmaceuticals tätig. Er ist ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Internationalen Arbeitsgemeinschaft für Cannabinoid Medikamente und der gegenwärtige Präsident der Internationalen Gesellschaft für Cannabinoid Forschung.

Was ist Cannabis und wofür wird es angewendet

Cannabis zählt zu den ältesten Nutz- und Zierpflanzen der Welt. Es ist aber auch schon seit Jahrhunderten eine Heilpflanze. Die weiblichen Blüten enthalten je nach Sorte bis zu 100 verschiedene Cannabinoide. Die bekanntesten sind THC und CBD. Cannabinoide wurden bis jetzt ausschließlich in Cannabispflanzen gefunden. Sie wirken schmerzlindernd und muskelentspannend, steigern den Appetit, erweitern die Bronchien, hemmen Entzündungen und helfen bei allergischen Reaktionen.

Cannabis wird in der Medizin in den verschiedensten Bereichen eingesetzt:

  • bei entzündungsbedingte Schmerzen als Alternative zu Schmerzmitteln und Opiaten • Spastik wie z.B. bei Multipler Sklerose oder bei Querschnittlähmungen
  • Appetitlosigkeit und Abmagerung wie bei HIV oder Krebs
  • Übelkeit und Erbrechen durch Chemotherapien
  • Linderung der Entzugssymptome bei Benzodiazepin-, Opiat und Alkoholabhängigkeit • Allergien
  • Alzheimer
  • Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) Asthma
  • Aufmerksamkeitsdefizit / Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) • Autoimmunkrankheiten
  • Demenz
  • Depressionen
  • Diabetes
  • Epilepsie
  • Glaukom (grüner Star)
  • HIV/Aids
  • Juckreiz
  • Krebs
  • Magen-Darm-Erkrankungen
  • Migräne
  • Morbus Crohn
  • Multiple Sklerose (MS)
  • Neuropathische Schmerzen
  • Parkinson
  • Posttraumatische Belastungsstörung • Reizdarm
  • Restless Legs-Syndrom (RLS)
  • Rheuma
  • Singultus (Schluckauf)
  • Tinnitus
  • Tourette-Syndrom
  • u.v.a.mehr …

Wie kann Cannabis eingenommen werden?

Cannabis kann oral als Tropfen, Spray, Tee, Butter, Gebäck usw. eingenommen, über einen Verdampfer inhaliert oder als Joint geraucht werden. Eine Studie legt nahe, dass medizinisches Cannabis durch orale Einnahme oder Verdampfen heilsamer wirkt, da die komplexe Wirkstoffkombination besser aufgenommen werden kann und krebserregende Verbrennungsprodukte vermieden werden.

Rauchen: Rauchen gehört zu den effektivsten Einnahmeformen. Die Wirkung setzt sofort ein und kann vom Patienten sehr genau dosiert werden. Das Beimengen von Tabak hat allerdings die vom Tabak bekannten gesundheitlichen Nachteile. Vaporisieren/Verdampfen: Der Vaporiser erwärmt Cannabis-Rohprodukte auf eine bestimmte Temperatur, so dass die Wirkstoffe der Pflanze in Dampf übergehen ohne dabei zu verbrennen. Die Wirkung tritt wie beim Rauchen sofort ein. Es werden dabei keine ungesunden Giftstoffe aufgenommen.

Essen: Wird Cannabis über den Magen aufgenommen, ist die Wirkung im Vergleich zum Rauchen oder Verdampfen anders. Nahrungsmittel, die mit Cannabis angereichert wurden, wirken langsamer, länger und haben mehr körperliche als psychische Effekte. Die Wirkung wird dabei häufig als schwerer und tiefer beschrieben. Dies ist besonders vorteilhaft für Menschen mit chronischen Schmerzen. 2

Wenn Cannabis gegessen wird, kann es nicht wie beim Rauchen oder Verdampfen einfach und direkt dosiert werden. Es dauert länger bis die Wirkung einsetzt (bis zu einer halben Stunde oder länger).

Tinkturen: Tinkturen sind ölige oder alkoholhaltige Lösungen, in denen die Wirkstoffe von Cannabis gelöst sind. Durch die Einnahme von diesen Tinkturen gelangen die Wirkstoffe über die Mundschleimhaut direkt in den Blutkreislauf. Die Wirkung tritt schneller ein, als bei der Aufnahme über den Magen. Cannabistinktur und Sativa-Öl sowie Dronabinol (künstlich hergestelltes THC) sind in der Schweiz über den Arzt und eine Magistralrezeptur erhältlich. Es braucht eine Ausnahmebewilligung vom Amt für Gesundheit, die von ihrem Arzt beantragt werden kann.

Wie wird Cannabis dosiert?

Die Dosierung von Cannabisprodukten erfolgt individuell je nach Wirkung und Nebenwirkung auf den Patienten. Es ist bekannt, dass Cannabinoide je nach Mensch verschieden aufgenommen werden und wirken. So kann die benötigte Menge von Person zu Person stark variieren. Die Gefahr einer Überdosis besteht nicht. Es sollte beachtet werden, dass mit anderen Medikamenten oder Drogen Wirkungsverschiebungen auftreten können. Es können auch Toleranzen entstehen, die eine Erhöhung der Dosis nötig machen.

Generell sollte bei allen Formen der Einnahme die Dosis langsam gesteigert werden, um unerwünschte Nebenwirkungen auf die Psyche und den Kreislauf zu vermeiden. Die Dosen können je nach Beschwerden und Therapiezweck sehr unterschiedlich sein. Die Dosierung ist bei einer Behandlung von Appetitlosigkeit anders als bei einer Schmerzbehandlung.

Rauchen oder Vaporisieren: Natürliche Cannabisprodukte (Blüten)

Da bei der Aufnahme über die Lunge eine fast sofortige Wirkung eintritt, bemisst sich die Menge nach der beabsichtigten Wirkung und dem Wohlbefinden. Da der THC- und CBD- Gehalt der Blüten oder des Haschs unbekannt ist, sollte bei jeder neuen Sorte die Dosierung überprüft werden.

Das Verhältnis von THC und CBD ist bei den einzelnen Cannabissorten verschieden. Sativa-Sorten haben einen höheren THC, Indica- Sorten hingegen einen höheren CBD- Anteil. Je nach Krankheit oder Beschwerden sind gewisse Sorten geeigneter für die Behandlung. Um eine gleichbleibende Wirkung zu erreichen, sollte über eine längere Zeit dasselbe Material in abgewogenen Mengen zu sich genommen werden.

Leider ist es in der Schweiz nicht möglich Cannabisblüten in geprüfter, medizinischer Form zu kaufen. Das Testen des THC-/CBD-Gehalts und dessen Verhältnis ist nur über teure Labortests möglich. Hinweise zu diesen Unbekannten können sich durch das Erfragen der Sorte, der Reife, des Alters und der Trocknungsart beim Verkäufer ergeben. Generell ist davon auszugehen, dass Blüten einen THC-/CBD-Gehalt von 5 bis 15 Prozent haben. Hasch allerdings bis zu 40 Prozent. Eine Therapie sollte mit ca. 0.05 bis 0.2 Gramm Cannabisblüten pro Dosis begonnen werden. Dies entspricht ca. 2.5 bis 7.5 mg THC/CBD. Cannabisprodukte welche auf dem Schwarzmarkt gehandelt werden, können verunreinigt sein und ihre Gesundheit schädigen.

Kochen und Trinken: Brownies, Gebäck, Tee (mit Milch) Da bei der Aufnahme über den Magen die volle Wirkung erst nach einer halben Stunde eintritt, sollte die Dosis bei Backwaren von Anfang an auf ein Stück berechnet werden. Also Stücke mal 0.05 bis 0.2 Gramm. Dasselbe gilt für Tee. Blüten und Hasch sind sehr begrenzt wasserlöslich. Sie sollten deshalb in Fett (Butter oder Milch) ca. 12 Stunde bei 80 Grad gelöst und aktiviert werden.

Extrakte:

Haschöl ist mit Butangas oder Alkohol extrahiertes THC/CBD. Es enthält bis zu 70 Prozent der Wirkstoffe. Das heisst 1 Gramm Haschöl enthält bis zu 700 mg Wirkstoffe.

Dronabinol: ein Tropfen enthält ca. 0.7 mg THC Tropfen Cannabistinktur (nach Dr. Fankhauser): Ein Tropfen enthält 0.3 mg THC/CBD Tropfen Cannabidiol-Lösung (nach Dr. Fankhauser): Tagesdosis 2 bis 3 x täglich 3 bis 4 Tagesdosis 2 bis 3 x täglich 8 bis 16 Ein Tropfen enthält 0.7 mg CBD Tagesdosis 2 bis 3 x täglich 3 bis 4 Tropfen Um eine gleich bleibende Wirkung zu erzielen, sollte Cannabis immer unter ähnlichen Bedingungen hinsichtlich der Nahrungsaufnahme eingenommen werden, z.B. immer eine Stunde vor dem Essen.

Eine längere Einnahme verursacht eine Toleranz gegenüber unerwünschten Wirkungen auf den Kreislauf und auf die Psyche, so dass einzelne Patienten tägliche Dosen von 50 bis 100 mg THC/CBD oder mehr einnehmen können, ohne signifikante Nebenwirkungen. Die richtige Dosierung von medizinischem Cannabis ist eine komplexe Aufgabe, zu der noch einiges an Forschung notwendig ist, um das volle Potenzial auszuschöpfen. Oft unterlassen Ärzte Empfehlungen zum Einsatz von medizinischem Cannabis, da kein ausreichendes Wissen über Cannabinoide, das Endocannabinoidsystem und dessen breitgefächerte Wirkungsweise im Körper vorhanden ist. Die Patienten sind sich selber überlassen und müssen die richtige Dosierung mit experimentieren herausfinden Was sind Cannabinoide und wie wirken sie? Cannabis enthält je nach Sorte über 100 Cannabinoide. Bis jetzt ist nur ein Teil davon erforscht. Die beiden bekanntesten sind THC und CBD. Informationen zu weiteren Inhaltsstoffen finden Sie http://cannabismedizin.org/cannabis/inhaltsstoffe/.

zum Beispiel unter THC (Tetrahydrocannabinol) hat eine berauschende Wirkung und steht deswegen in der Schweiz auf der Liste der Betäubungsmittel. Die Effekte des “high”-Seins äussern sich durch Stimmungssteigerung bis hin zu Euphorie, durch Redseligkeit und das Gefühl der erhöhten Einsicht und Bedeutung. THC bindet sich im Körper an die Cannabinoidrezeptoren CB1 und CB2. Wenn es sich an die CB1-Rezeptoren andockt, dann beeinflusst dies die Signalübertragung an die Synapsen und es werden andere Informationen an das zentrale und periphere Nervensystem übertragen. Es stellt sich ein Glücksgefühl ein, man wird entspannter und Schmerzen lassen nach.

Wie THC auf die CB2-Rezeptoren wirkt, ist weniger bekannt, man geht davon aus, dass es dem Immunsystem hilft. Der Wirkstoff THC ist noch nicht vollumfänglich erforscht.

In der Medizin wird THC für folgende therapeutische Zwecke eingesetzt:

  • es steigert den Appetit
  • es lindert neuropathische und entzündungsbedingte Schmerzen
  • es hat eine hemmende Wirkung auf Krebszellen bei einigen Krebsarten • es schützt Nervenzellen und Nervenfasern
  • es hemmt die Reizbarkeit des Verdauungstrakts
  • es lindert Übelkeit und Erbrechen
  • es unterdrückt Muskelspastiken und Krampfanfälle
  • es senkt den Augeninnendruck
  • es hilft Angststörungen zu kontrollieren
  • es hemmt Entzündungen

CBD (Cannabidiol) ist ein nur sehr schwach psychoaktives Cannabinoid, das entkrampfend, entzündungshemmend, angstlösend, Nerven beruhigend und gegen Übelkeit wirkt. Eine hohe Dosis CBD hat eine sedierende, ein niedrige Dosis hingegen eine anregende Wirkung. CBD-Produkte können in der Schweiz legal im Internet bestellt werden. Die Dosierung im therapeutischen Bereich kann sich unterscheiden. Bei Studien wurde Mengen zwischen 10 mg bis zu 600 mg CBD pro Tag eingesetzt. Tierversuche haben gezeigt, dass es bei Nervenverletzungen Schmerzen lindert. CBD ist in der Lage die unerwünschten Effekte des THC wie z.B. Angst zu neutralisieren. Patienten, die keine Erfahrungen mit THC haben oder die Effekte von THC nicht mögen, können CBD auch ohne THC einnehmen, beispielsweise in Form von Tinkturen oder Ölen. Auch der Wirkstoff CBD ist noch nicht vollumfänglich erforscht.

In der Medizin wird CBD für folgende therapeutische Zwecke eingesetzt:

  • es lindert Kopfschmerzen und Migräne
  • es zerstört Krebszellen
  • es lindert Übelkeit und Erbrechen
  • es wirkt Angst lösend und Anti-psychotisch
  • es lindert Schmerzen bei Nervenverletzungen
  • es verhinderten den Wachstum von Bakterien und hemmt Entzündungen • es unterdrückt Muskelspastiken und Krampfanfälle
  • es stimuliert den Knochenwachstum
  • es senkt den Blutzuckerspiegel
  • es senkt den Augeninnendruck

Die Cannabinoide CBD und THC wirken synergistisch und verstärken sich gegenseitig in ihren therapeutischen Eigenschaften. Das ideale THC-CBD-Verhältnis ist von Patienten zu Patienten verschieden und hängt stark davon ab, welches Leiden oder welches Symptom behandelt wird. Durch die schrittweise Erhöhung des THC-CBD-Verhältnisses, finden viele Patienten die ideale und wirksame Dosierung für sich heraus. Bei Angstzuständen, bestimmten affektiven Störungen und Anfallsleiden haben sich beispielsweise CBD- dominanten Heilmittel mit einem sehr hohen CBD- und nur einem geringem oder gar keinem THC-Gehalt bewährt. Schmerzpatienten dagegen profitieren von einem 1:1 CBD- und THC-Verhältnis. Cannabis-Sorten, die einen hohen THC-Gehalt aufweisen, zeigen sich hier auch vielfach hilfreich. Es hat sich gezeigt, dass bei gleicher THC- und CBD- Dosierung (also 1:1-Verhältnis) die Wirkung von THC abgeschwächt, aber nicht völlig beseitigt wird. Wenn CBD zuerst eingenommen wird, kann es das „High“ des THC blockieren. Werden allerdings höhere Dosen an THC eingenommen, übersteigen diese die Wirkung von CBD und das „High“ kann immer noch sehr intensiv auftreten.

Welche Nebenwirkungen kann Cannabis haben?

Wie jedes Arzneimittel kann auch Cannabis Nebenwirkungen haben, die aber nicht bei jedem auftreten müssen.Im Allgemeinen sind die Nebenwirkungen moderat. Am häufigsten sind: Mundtrockenheit, gerötete Augen, Schläfrigkeit, Herzrasen, tiefer Blutdruck, Schwindel. Die Nebenwirkungen hängen von der Dosierung ab, die je nach Patient sehr unterschiedlich sein kann. Erfahrungsgemäß vermindern sich die Nebenwirkungen im Verlauf der Anwendung. Cannabis in hohen Dosen, insbesondere der nicht medizinischen Konsum, kann zu einem Rauschzustand führen. Dieser zeichnet sich aus durch eine Bewusstseinsverschiebung mit assoziativem, sprunghaftem Denken und einer Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses. Bei einer Überdosierung können Kreislaufprobleme und Angstzustände auftreten. Laut Fachinformationen ist die Entwicklung einer Abhängigkeit von Cannabis unwahrscheinlich. Es wurde keine Erhöhung der täglichen Dosierung bei Langzeitanwendung beobachtet. Zudem hat abruptes Absetzen nicht zu Entzugserscheinungen geführt.

Bis heute ist noch kein Fall bekannt, in dem ein Mensch durch direkte Einwirkung von Cannabis gestorben ist. Wann darf Cannabis nicht eingenommen werden?

Die Einnahme von Cannabis wird bei Patienten mit schweren Herz-Kreislauf- Erkrankungen nicht empfohlen. Kontraindiziert ist die Arznei auch bei einer bekannten oder vermuteten Anamnese oder Familienanamnese von Schizophrenie.

Schwangerschaft und Stillzeit

Darf Cannabis während der Schwangerschaft oder in der Stillzeit eingenommen werden?

Cannabinoide können in die Muttermilch übergehen. Als Vorsichtsmaßnahme wird die Anwendung von Cannabis während der Schwangerschaft und der Stillzeit nicht empfohlen.

Welche Vorteile bietet Cannabis als Medikament?

Cannabis ist kein Wundermittel, aber es ist pflanzlich und macht nicht abhängig. Da es gegen verschiedene Leiden eingesetzt werden kann, lindert es oft mehrere Beschwerden. Es kann als Ergänzungen zu anderen Medikamenten verwendet werden, da keine unerwünschten Wechselwirkungen bekannt sind. Allerdings kann Cannabis die Wirkungen einiger Medikamente verstärken oder abschwächen. Diese Entscheidung sollte aber immer in Absprache mit Ihrem Arzt getroffen werden. Es wird auch von Patienten genutzt, um den Entzug von anderen Medikamenten zu lindern.

Was ist ferner zu beachten?

Cannabis wird von vielen Patienten in Kombination mit anderen Medikamenten zu therapeutischen Zwecken eingenommen. Es sind bisher keine unerwünschten Wechselwirkungen bekannt. Alkohol verstärken die Wirkungen von Cannabis. Es vermindert die Reaktionsfähigkeit. Bereits kleine Alkoholmengen können zusammen mit Cannabis die Fahrtüchtigkeit erheblich beeinträchtigen. Cannabistherapie unter ärztlicher Anleitung und Verlaufskontrolle ist eine sichere und in der Regel nebenwirkungsfreie Therapie mit erstaunlichen Erfolgsaussichten.

Kostenübernahme

Was müssen Ärzte und Patienten bei einer geplanten Kostenübernahme durch die Krankenkassen beachten?

Generell kann der behandelnde Arzt bei vorliegender Erkrankung und bereits erfolgter versuchter Behandlung mit anderen Medikamenten ein Privatrezept ausstellen, mit dem der Patient auf eigene Kosten medizinisches Cannabis in der Apotheke erwerben kann. Cannabis-Arzneimittel müssen auf einem Betäubungsmittelrezept verschrieben werden. Wenn die Kostenübernahme durch die Krankenkasse beabsichtigt wird, sind laut Krankenkassen wie der AOK folgende Voraussetzungen zu erfüllen:

  • Vorliegen einer schwerwiegenden Erkrankung,
  • nicht zur Verfügung stehende allgemein anerkannte, dem medizinischen Standard entsprechende Therapie oder nicht anwendbare Therapieformen
  • eine Aussicht auf positive Entwicklung

Bei der erstmaligen Verordnung ist auch bei einer vorliegenden Ausnahmeerlaubnis ein Antrag auf die Genehmigung der Kostenübernahme nach § 31 Abs. 6 SGB V bei der Krankenkasse zu stellen. Zur Ermittlung des im Einzelfall bestehenden Versorgungsanspruches ist bereits vor der ersten Verordnung ein Genehmigungsverfahren der Krankenkasse erforderlich. Dieser Antrag muß folgende Dinge enthalten:

  • den ausgefüllten Arztfragebogen zu Cannabinoiden für einen Leistungsanspruch nach § 31 Absatz 6 SGB V
  • die genaue Angabe/Verordnung des Arzneimittels: Angabe Wirkstoff, Handelsname, Rezeptur, Darreichungsform, Art der Anwendung etc.
  • Angaben, ob eine Ausnahmeerlaubnis für den Cannabis-Erwerb vorlag (gilt nur für Patienten, bei denen das bereits der Fall war)
  • die Kennzeichnung bei Verordnung im Rahmen einer ambulanten Palliativversorgung nach § 37b SGB V (gilt nur für diese Patienten) Was es zu beachten gibt: Über den Kostenübernahmeantrag müssen die Krankenkassen innerhalb von drei, bei der Einbeziehung des medizinischen Dienstes innerhalb von fünf Wochen entscheiden. Bei der Anwendung von Medizinalhanf im Rahmen einer ambulanten Palliativversorgung ist die Entscheidung von Seiten der Kassen innerhalb von drei Tagen erforderlich.

Wenn die Krankenkassen innerhalb dieser Frist nicht entscheiden, greift die Genehmigungsfiktion und der Antrag gilt als genehmigt. Zudem sieht der Gesetzgeber eine Begleitstudie vor, über die Patienten im Vorfeld der Verordnung informiert werden müssen. Diese Begleiterhebung wird anonymisiert vom BfArM durchgeführt und soll Rückschlüsse über die Wirksamkeit von medizinischem Cannabis liefern. Ein sofortiger Therapiebeginn ist nur auf Privatrezept möglich. Allerdings muß auch für ein Privatrezept eine Erkrankung vorliegen, welche den Einsatz von medizinischem Cannabis rechtfertigt.

Aber: Die Kostenübernahme durch die Krankenkassen wurde ausdrücklich nicht an das Vorliegen einer bestimmten Erkrankung geknüpft.

Der Arzt braucht, anders als im Arztfragebogen abgefragt, keine Literatur zu nennen, mit welcher der Arzt die „positive Einwirkung auf den Krankheitsverlauf“ begründen soll. Hilfreich beim Ausfüllen des Fragebogens können allerdings Verweise auf bisherige Krankheiten sein, bei denen die Bundesopiumstelle in der Vergangenheit bereits eine Ausnahmeerlaubnis erteilt hat. Weitere hilfreiche Hinweise zur Stellung des Kostenübernahmeantrags hat die Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin aufgelistet.

Quelle : Deutscher Hanfverband

Konsum in der Öffentlichkeit

Gibt es in der Öffentlichkeit Einschränkungen bei der Einnahme von medizinischem Cannabis?

Patienten dürfen ihre Medizin in der Öffentlichkeit zu sich nehmen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) äußert auf eine schriftliche Anfrage, daß die Medikamenteneinnahme grundsätzlich entsprechend der Vorgabe des verschreibenden Arztes zu erfolgen habe. Wenn die therapeutische Anwendung im Ausnahmefall nur in der Öffentlichkeit möglich sei, stelle dies keine Straftat dar. Besondere gesetzliche Regelungen zur Anwendung von Cannabis als Arzneimittel in der Öffentlichkeit gebe es, abgesehen vom einzuhaltenden Nichtraucherschutz, nicht.

Auf der Homepage des BfArM findet sich noch folgende Stellungnahme: „Von der Anwendungsart Rauchen wird grundsätzlich abgeraten. Sollte Ihre behandelnde Ärztin bzw. Ihr behandelnder Arzt im Einzelfall dennoch diese Anwendungsart für die Therapie empfehlen, so sollte die Anwendung – wenn immer möglich - nicht im öffentlichen Raum stattfinden. Für unbeteiligte Bürgerinnen und Bürger ist nicht erkennbar, ob es sich um die Anwendung eines Arzneimittels oder um den illegalen Konsum von Cannabis handelt. Dies sollte stets berücksichtigt werden.“ Allerdings herrschen trotz der Stellungsnahmen von Bundesministerien oder dem BfArM noch immer Unklarheiten bei Patienten, Ärzten oder Beamten, wenn es um die Einnahme von medizinischem Cannabis in der Öffentlichkeit geht. Der Deutsche Hanfverband wollte es genauer wissen, weshalb wir allen Innen- und Gesundheitsministerien folgende Anfrage zuschickten:

“Sehr geehrte Damen und Herren, vor dem Hintergrund des neuen Gesetzes zu Cannabis als Medizin und dem Wegfall der Ausnahmegenehmigungen möchten wir vom Deutschen Hanfverband in Erfahrung bringen, wie die polizeiliche Dienstanordnung zum Umgang mit Cannabispatienten, die in der Öffentlichkeit ihre Medizin zu sich nehmen müssen, in Ihrem Bundesland geregelt ist. Wir würden gerne wissen, ob es eine solche polizeiliche Dienstanordnung in Ihrem Bundesland gibt.

Des weiteren bitte ich Sie um Beantwortung folgender Fragen:

  • Wie ist die polizeiliche Dienstanordnung zum Umgang mit Cannabispatienten, die in der Öffentlichkeit ihre Medizin zu sich nehmen müssen, in Ihrem Bundesland geregelt?
  • gibt es eine solche polizeiliche Dienstanordnung?
  • Wie bzw. wo können Cannabis-Patienten die entsprechende Regelung bzw. Verordnung zur Einnahme ihrer Cannabis-Medizin außerhalb ihrer Privaträume finden (z.B. Reisen, am Arbeitsplatz oder bei längerer Abwesenheit)?
  • Findet bei Cannabis-Patienten eine konsequente Anwendung des Nichtraucherschutzgesetzes statt, in dessen Rahmen das öffentliche Rauchen von Medizinalkräutern aus gesundheitlichen Gründen oder von Tabakerzeugnissen aus Genußgründen, in Bezug auf Fremdschädigung und Jugendschutz, bereits geregelt ist?
  • Was müssen Cannabis-Patienten bei der öffentlichen Einnahme von Medizinalhanfkräutern ansonsten beachten?

11 der 16 Bundesländer haben innerhalb der letzten Wochen geantwortet. Aus Hamburg, Hessen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg gab es auch auf wiederholte Anfrage keine Antwort. Grundsätzlich orientieren sich viele der aus den Ministerien eingegangenen Antworten inhaltlich an den Anweisungen des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Doch es gab auch über die Einschätzung des BfArM hinausgehende Anordnungen im Umgang mit Cannabispatienten, weshalb wir euch hier die Antworten der jeweiligen Bundesländer und Ministerien präsentieren. Negativbeispiele sind hier klar Thüringen und Rheinland-Pfalz: Während Polizisten in Thüringen grundsätzlich Ermittlungsverfahren gegen Cannabis-Patienten einleiten, die außer Hause ihre Medizin einnehmen, geht man im Gesundheitsministerium Rheinland-Pfalz davon aus, daß Cannabispatienten nach Prüfung des Rezepts und der Personalien zusätzlich auf andere, illegale Substanzen durchsucht werden können.

In diesem Artikel hat unser Autor Michael Knodt sich mit den Stellungsnahmen der Ministerien genauer beschäftigt: Schon bevor es das Gesetz gab, hatten Patienten mit einer “Ausnahmegenehmigungen für den Erwerb von Cannabisblüten im Rahmen einer ärztlich begleiteten Selbsttherapie” immer wieder Probleme mit der Polizei. Nachdem die Berliner Polizei aufgrund eines Vorfalls im Görlitzer Park bereits 2015 eine Dienstanweisung zum Umgang mit den ersten paar hundert deutschen Cannabis- Patienten herausgegeben hatte, war es jetzt wieder an der Zeit nachzufragen, wie und wo Cannabis-Patienten ihre jetzt verschreibungsfähige Medizin außer Hause konsumieren können. Deshalb hat der Hanfverband bei den zuständigen Landesbehörden nachgefragt, ob und wie es bereits eine Regelung für den Umgang mit Patienten gibt, die in Besitz eines Rezepts für Medizinalhanfblüten sind.

Alle Innen- sowie Gesundheitsministerien der Länder wurden gefragt:

  • Wie bzw. wo können Cannabis-Patienten die entsprechende Regelung bzw. Verordnung zur Einnahme ihrer Cannabis-Medizin außerhalb ihrer Privaträume finden (z.B. Reisen, am Arbeitsplatz oder bei längerer Abwesenheit)?
  • Findet bei Cannabis-Patienten eine konsequente Anwendung des Nichtraucherschutzgesetzes statt, in dessen Rahmen das öffentliche Rauchen von Medizinalkräutern aus gesundheitlichen Gründen oder von Tabakerzeugnissen aus Genußgründen, in Bezug auf Fremdschädigung und Jugendschutz, bereits geregelt ist?
  • Was müssen Cannabis-Patienten bei der öffentlichen Einnahme von Medizinalhanfkräutern ansonsten beachten?

11 der 16 Bundesländer haben innerhalb der letzten drei Wochen geantwortet. Aus Hamburg, Hessen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg gab es auch auf wiederholte Anfrage keine Antwort. Thüringen und Rheinland-Pfalz auf Abwegen Die meisten Bundesländer verweisen in ihrer jeweilgen Antwort darauf, daß Rauchen, egal ob pur oder mit Tabak, eine nicht empfohlene Applikationsform darstelle und deshalb generell zu vermeiden sei. Grundsätzlich aber könnten Cannabis-Patienten dort ihre Medizin einnehmen, wo der Nichtraucherschutz gewährleistet sei. Vorausgesetzt, sie belästigen keine Dritten und konsumieren nicht provokant oder zur Schau stellend. Grundsätzlich halten sich fast alle Bundesländer bei ihrer Antwort fast im Wortlaut an die Interpretation des BfArM, das seit einiger Zeit auf seiner Webseite dazu informiert. Die detaillierten Antworten der einzelnen Bundesländer gibt es hier. Lediglich in Thüringen und Rheinland-Pfalz gibt man offen zu, Cannabis-Patienten weiterhin in die Kiffer-Schublade stecken zu wollen. In Rheinland-Pfalz sollen Patienten, die bei der Anwendung ihrer Cannabismedizin angetroffen werden, nach Prüfung des Rezepts und der Personalien zusätzlich auf andere, illegale Substanzen durchsucht werden.

Im Fall des Antreffens einer Person, die sich auf eine entsprechende Erlaubnis beruft, wird zunächst regelmäßig die Identität des/der Betroffenen festgestellt. Die Erlaubnis und ihre Auflagen sowie die außerdem erforderliche Bescheinigung des behandelnden Arztes werden auf Plausibilität, Einhaltung der Auflagen und ggf. Fälschungen hin geprüft. Sofern die rechtlichen Voraussetzungen

vorliegen, wird eine Durchsuchung der Person nach weiteren Betäubungsmitteln vorgenommen, heißt es aus dem rheinland-pfälzischen Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie. Auf den ersten Blick überrascht die repressive Haltung im rot-grün regierten Rheinland-Pfalz. Die dort zuständige Ministerin ist die ehemalige Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing- Lichtenthäler, die auch noch Jahre nach ihrer Amtszeit als Drogenbeauftragte gegen alle Liberalisierungstendenzen zu Felde zieht. Doch selbst die Ministerin hatte das neue Gesetz zur medizinsichen Verwendung noch im März begrüßt.

Es kann nicht sein, daß sich im Einzelfall betroffene Menschen für den verbotenen Anbau von Hanfpflanzen entscheiden, weil sie sich die Präparate nicht leisten können, so Bätzing damals gegenüber dem Trierer “Volksfreund”. Wie kann es dann sein, daß sich die gleichen Menschen in ihrem politischen Einflußbereich polizeilichen Maßnahmen ausgesetzt sehen, weil sie ihre ärztlich verordnete Medizin unter Einhaltung des Nichtraucherschutzes einnehmen? Thüringen hat angekündigt, grundsätzlich Ermittlungsverfahren gegen Cannabis-Patienten, die außer Hause ihre Medizin einnehmen und dabei ertappt werden, einzuleiten. Unabhängig davon, daß aus unserer Sicht nicht nachvollziehbar ist, daß medizinische Gründe dafür sprechen, THC zwingend in der Öffentlichkeit zu konsumieren, setzt sich der Konsument in jedem Fall dem Tatvorwurf aus, eine strafbare Handlung zu begehen. Die Polizei muss jedem öffentlichen THC-Konsum nachgehen. Die Polizei wird in einem sich abschließenden Ermittlungsverfahren klären und der Konsument nachweisen müssen, dass eine medizinische Indikation vorliegt. Bislang ist es in Thüringen zu keinen solchen Vorfällen gekommen. Vielmehr ist es dem Konsumenten, in der Regel wird von Schmerzpatienten ausgegangen, doch eher daran gelegen sein, seine Medikamente nicht in der Öffentlichkeit einzunehmen, so der Pressesprecher des Innenministeriums, Carsten Ludwig, auf Anfrage des DHV. Wieso ausgerechnet Thüringen Cannabis-Patienten mit gültigem Rezept anzeigen will, bleibt das Geheimnis des rot-rot- grün regierten Bundeslandes.

In Bayern unterliegt nur der Mischkonsum von medizinischem Cannabis mit Tabak dem Nichtraucherschutzgesetz, wie sich aus der Antwort des Gesundheitsministeriums entnehmen läßt. Ob Patienten in Bayern deshalb auch ihre Medizin an Orten einnehmen dürfen, wo keine Tabakwaren konsumiert werden dürfen, läßt die Antwort allerdings offen. […]. Daraus folgt, daß der Konsum von ärztlich verordneten Cannabisarzneimitteln stets dann dem Rauchverbot des Gesundheitsschutzgesetzes unterfällt, wenn das Cannabisarzneimittel entgegen der vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) herausgegebenen Hinweise für Patienten zusammen mit Tabak geraucht wird, ohne daß es auf die Art und Weise des Konsums (Zigarettenform, Wasserpfeife o.ä.) ankäme.

Die ausführlichste Antwort kam aus Berlin. Dort hat man sich anscheinend über die aktuelle Dienstanweisung hinaus ein paar eigene Gedanken gemacht und eine sehr detaillierte Antwort auf die DHV- Anfrage verfaßt: Als Orientierungshilfe für den Umgang mit Personen, die z.B. anläßlich einer Kontrolle Cannabisprodukte mitführen und erklären, Patientinnen/Patienten zu sein, denen ärztlich Medizinal-Cannabis verordnet wurde, wurde durch das Landeskriminalamt ein Merkblatt erstellt, das allen Mitarbeitenden der Polizei Berlin zur Verfügung steht. Neben den aktuellen Gesetzesänderungen sind darin Beispiele und Muster zu Rezepten, Darreichungsformen und Verpackungsgefäßen für Medizinal-Cannabis enthalten.

Da im Gesetz kein Erlaubnisnachweis vorgesehen ist, muß in einer Kontrollsituation die Berechtigung zum Besitz des Medizinal- Cannabis individuell festgestellt werden. Dabei bestehen beispielsweise folgende einfache Nachweismöglichkeiten, die von der Patientin oder dem Patienten freiwillig erbracht werden können:

  • Es kann ein Behandlungsnachweis vorgelegt werden, z.B. durch Schreiben eines Arztes oder eine Kostenübernahmebescheinigung der Krankenkasse
  • Es wird ein Rezept oder eine Rezeptkopie mitgeführt
  • Durch eine kurzfristige Nachfrage (z. B. telefonisch) in der Praxis des verordnenden Arztes wird die Verschreibung bestätigt
  • Das Medizinal-Cannabis ist ordnungsgemäß verpackt (z.B. Behälter mit Aufkleber und Datumsvermerk der abgebenden Apotheke)

In der Regel wird sich bei Vorliegen einer oder mehrerer dieser Beispiele der Verdacht des unrechtmäßigen Besitzes ausräumen lassen. Sollten seitens der Polizei dennoch Verdachtsmomente für eine Fälschung des Rezeptes oder den unrechtmäßigen Besitz des Cannabis bestehen, wird eine Strafanzeige (z. B. wegen Urkundenfälschung – Rezeptfälschung oder Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz) gefertigt.

Quelle: Deutscher Hanfverband

Arztfragebogen der Krankenkassen zu Cannabinoiden

Arztfragebogen der Krankenkassen zu Cannabinoiden Die gesetzlichen Krankenkassen haben einen Arztfragebogen zu Cannabinoiden entwickelt, der sich bei verschiedenen Krankenkassen (AOK, TKK, DAK, etc.) weitgehend ähnelt. Wir prüfen, ob der Fragebogen gegen § 65 Sozialgesetzbuch I (SGB I) Abs. 1 verstößt. Dies gilt insbesondere für die Frage in der es heißt: „Bitte benennen Sie Literatur, aus der hervorgeht, daß eine nicht ganz entfernt liegende Aussicht auf eine spürbare positive Einwirkung auf den Krankheitsverlauf oder auf schwerwiegende Symptome besteht.“

Im „§ 65 Grenzen der Mitwirkung“ des SGB I heißt es im 1. Absatz:

„(1) Die Mitwirkungspflichten nach den §§ 60 bis 64 bestehen nicht, soweit

  1. ihre Erfüllung nicht in einem angemessenen Verhältnis zu der in Anspruch genommenen Sozialleistung oder ihrer Erstattung steht oder
  2. ihre Erfüllung dem Betroffenen aus einem wichtigen Grund nicht zugemutet werden kann oder
  3. der Leistungsträger sich durch einen geringeren Aufwand als der Antragsteller oder Leistungsberechtigte die erforderlichen Kenntnisse selbst beschaffen kann.“

Der Gesetzgeber hat die Pflicht der Krankenkassen zur Kostenübernahme einer Behandlung mit cannabisbasierten Medikamenten nicht von einer durch die wissenschaftliche Literatur belegten Evidenz abhängig gemacht. Die Forderung der Krankenkassen nach entsprechender Literatur ist daher vermutlich rechtswidrig. Zudem hat das Bundesverfassungsgericht in einem Urteil vom 6. Dezember 2005 (Aktenzeichen: 1 BvR 34798), in dem es ebenfalls um die Leistungspflicht von Krankenkassen zur Kostenübernahme von nicht etablierten Behandlungsmethoden bei Versagen der Standardtherapien ging, ausgeführt: „Damit wird - wie sich aus der weiteren Rechtsprechung des Bundessozialgerichts zeigt - die Übernahme von Kosten durch die gesetzlichen Krankenkassen auch in den Fällen einer lebensbedrohlichen oder vorhersehbar tödlich verlaufenden Krankheit ausgeschlossen, für die eine dem allgemein anerkannten medizinischen Standard entsprechende Behandlungsmethode nicht existiert (vgl. BSGE 86, 54 <66>), der behandelnde Arzt jedoch eine Methode zur Anwendung bringt, die nach seiner Einschätzung im Einzelfall den Krankheitsverlauf positiv zu Gunsten des Versicherten beeinflußt.“

Für Cannabis, so steht es im Gesetz, muß keine „lebensbedrohliche oder vorhersehbar tödlich verlaufende“, sondern eine „schwerwiegende“ Erkrankung” (siehe § 31 Abs. 6 SGB V im 6. Absatz) vorliegen. Das Prinzip, das es auf die fachliche Einschätzung des Arztes ankommt, dürfte jedoch auf die Kostenübernahme einer Therapie mit Cannabis und cannabisbasierten Medikamenten anzuwenden sein.

Der folgende Musterfragebogen kann hier heruntergeladen werden. Dort findet sich auch ein Musterschreiben zur Antragstellung für Patienten. Patienten sollten den Antrag auf Kostenübernahme selbst stellen und bereits verfügbare ärztliche Unterlagen beifügen. Dann kommt im Allgemeinen ein Schreiben der Krankenkasse mit einem Fragenbogen des MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen), der mit dem unten stehenden Formular beantwortet werden kann. Patienten sollten diesen ausfüllen, um ihre Ärzte zu entlasten!

Ärztliche Bescheinigung zur Verwendung von Cannabinoiden nach § 31 Abs. 6 SGB V

  1. Erfolgt die Verordnung im Rahmen der genehmigten Versorgungnach § 37b SGB V (spezialisierte ambulante Palliativversorgung)?

Ja/Nein (Anmerkung ACM: Falls die Therapie in diesem Rahmen durchgeführt werden soll, muß die Krankenkasse innerhalb von 3 Tagen entscheiden.)

  1. Welches Produkt soll dem Patienten in welcher Dosierung und Darreichungsform verordnet werden? Welche Inhaltsstoffe hat dieses Produkt?

Produkt: Inhaltstoffe:

Die optimalen Darreichungsformen und die Dosierung müssen im Laufe der Therapie ermittelt werden, sodaß hierzu bisher keine Angaben möglich sind. (Anmerkung ACM: Grundsätzlich kommen in Betracht: der Cannabisextrakt Sativex, Dronabinol (THC), Nabilon (Präparatename: Canemes), Medizinalcannabisblüten sowie daraus hergestellte Extrakte. Die Wirkstoffe sind THC/Dronabinol bzw. CBD (Cannabidiol) bzw. Nabilon.)

  1. Welche Erkrankung soll behandelt werden?

(Anmerkung ACM: Bei mehreren Erkrankungen am besten die Erkrankung einfügen, bei welcher der Patient am ehesten austherapiert ist, sodaß die Möglichkeit einer Kostenübernahme durch die Krankenkasse besteht.)

  1. Wie lautet das Behandlungsziel?

(Anmerkung ACM: Z.B.: Linderung der Symptome, Reduzierung der Anfälle, Wiedereingliederung in das Berufsleben.)

  1. Ist die Erkrankung schwerwiegend?

Ja. Es ist eine medizinische Versorgung (ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung, Arzneimitteltherapie, Behandlungspflege, Versorgung mit Heil- und Hilfsmitteln) erforderlich, ohne die nach ärztlicher Einschätzung eine lebensbedrohliche Verschlimmerung, eine Verminderung der Lebenserwartung oder eine dauerhafte Beeinträchtigung der Lebensqualität durch die zugrundeliegende schwerwiegende Erkrankung zu erwarten ist. Vergleiche Definition der schwerwiegenden chronischen Erkrankungen durch den Gemeinsamen Bundesausschuß (https://www.g-ba.de/institution/sys/faq/12/) (Anmerkung ACM: Text an den individuellen Fall anpassen.) Falls ja, welcher Verlauf/Symptomatik/Beeinträchtigungen oder anderes begründet den Schweregrad?

  1. Bestehen weitere Erkrankungen?

  2. Welche Medikation wird aktuell verwendet? (Bitte Angaben von Wirkstoff und Dosis)

  3. Welche weiteren Therapien werden zurzeit durchgeführt?

(Anmerkung ACM: Z.B.: Physiotherapie, Psychotherapie, Akupunktur.)

  1. Welche bisherige Therapie ist bei der Erkrankung unter 3. mit welchem Erfolg durchgeführt worden?

(Anmerkung ACM: Hier sollten alle Medikamente und Therapieverfahren aufgeführt werden, die bisher durchgeführt wurden. Es kann sein, daß die Krankenkasse verlangt, daß noch bestimmte weitere Therapieoptionen ausprobiert werden. In einem solchen Fall muß man schauen, ob dies zumutbar ist, denn der Gesetzgeber hat ausdrücklich darauf verzichtet, daß Patienten austherapiert sein müssen.)

  1. Warum stehen allgemein anerkannte, dem medizinischen Standard entsprechende alternative Behandlungsoptionen nicht zur Verfügung?

Es stehen Behandlungsoptionen zur Verfügung. Diese haben sich jedoch als nicht oder unzureichend wirksam erwiesen. Siehe unter 9.

  1. Soll die bisherige Medikation parallel zur Therapie mit cannabisbasierten Medikamenten fortgeführt werden?

Ja/Nein

  1. Falls bereits eine Therapie mit cannabisbasierten Medikamenten durchgeführt wurde, wie wurde der Verlauf/die Symptomatik bzw. Beeinträchtigung durch die Therapie beeinflußt?

(Anmerkung ACM: Diese Frage findet sich nicht in den Fragebögen der Krankenkassen. Es ist aber sinnvoll, etwas dazu zu schreiben, wenn positive Erfahrungen vorliegen oder beispielsweise auch eine Ausnahmeerlaubnis der Bundesopiumstelle für die Verwendung von Cannabisblüten aus der Apotheke. Für die Verpflichtung der Krankenkassen zur Kostenübernahme reicht es aus, wenn cannabisbasierte Medikamente zu einer relevanten zusätzlichen Verbesserung geführt haben, beispielsweise in Kombination mit anderen Medikamenten (Opiate, Methylphenidat, Antidepressiva, etc.)

  1. Bitte benennen Sie Literatur, aus der hervorgeht, daß eine nicht ganz entfernt liegende Aussicht auf eine spürbare positive Einwirkung auf den Krankheitsverlauf oder auf schwerwiegende Symptome besteht.

Eine solche Forderung wird vom Gesetz nicht verlangt und widerspricht daher vermutlich § 65 SGB I. Die Bedingung der „nicht ganz entfernt liegenden Aussicht auf eine spürbare positive Einwirkung auf den Krankheitsverlauf oder auf schwerwiegende Symptome“ nach § 31 Abs. 6 SGB V wird im Gesetz nicht mit der Evidenzlage verknüpft. Es kommt daher auf die fachliche Einschätzung des Arztes an (vgl. Bundesverfassungsgericht, 1 BvR 34798). (Anmerkung ACM: Die Krankenkassen haben sich offenbar darauf geeinigt, eine solche Frage in ihre jeweiligen Fragebögen aufzunehmen. Dieses Vorgehen wird jedoch durch das Gesetz nicht gedeckt.)

  1. Erfolgt die Therapie im Rahmen einer klinischen Prüfung?

Nein. Ort, Datum Unterschrift Vorname Name des Arztes Hinweis: Ein Kostenübernahmeantrag durch einen Patienten ist von Ihrer Seite zu bearbeiten, unabhängig davon, von welchem Arzt Atteste oder Fragebögen Ihrer Versicherung zur Unterstützung dieses Antrags ausgestellt werden. Der Patient hat nicht die Kostenübernahme für eine Cannabinoid-Therapie bei einem bestimmten Arzt beantragt. Zudem ist es den Patienten unbenommen, entsprechend seiner freien Arztwahl im Verlaufe der Therapie den Arzt zu wechseln oder sich gleichzeitig von einem privatärztlich tätigen Arzt und einem Arzt mit einer kassenärztlichen Zulassung behandeln zu lassen. Ich gehe davon aus, daß Sie die freie Arztwahl Ihres Versicherten nicht in Frage stellen.

Bei welchen Indikationen kann Cannabis auf BTM Rezept verordnet werden?

Da Cannabis ein breites und vielfältiges therapeutisches Spektrum hat, ist es grundsätzlich zu begrüßen, daß medizinisches Cannabis durch die im Gesetz offen gehaltene Formulierung relativ frei verschrieben werden kann. Die Entscheidung, ob Cannabis als Medizin eingesetzt werden soll, liegt allein im Ermessen des Arztes in Absprache mit dem Patienten. Das wird natürlich nur der Fall sein, wenn der Arzt Hinweise auf eine Wirkung von Cannabis bei der entsprechenden Krankheit findet.

Es gibt also keinen expliziten Ausschlußkatalog von Krankheiten, für die medizinisches Cannabis angewendet werden kann. Anhaltspunkt dafür kann die Liste von Krankheiten sein, für die das BfArM bis zur Gesetzesänderung Ausnahmegenehmigungen erteilt hat:

Häufig:

  • chronische Schmerzen • Multiple Sklerose
  • Tourette-Syndrom
  • depressive Störungen • ADHS

Außerdem:

  • Allergische Diathese
  • Angststörung
  • Appetitlosigkeit und Abmagerung • Armplexusparese
  • Arthrose
  • Asthma
  • Autismus
  • Barrett-Ösophagus
  • Blasenkrämpfe
  • Blepharospasmus
  • Borderline-Störung
  • Borreliose
  • Chronische Polyarthritis
  • Chronisches Müdigkeitssyndrom
  • Schmerzsyndrom nach Polytrauma • Chronisches Wirbelsäulensyndrom • Cluster-Kopfschmerzen
  • Colitis ulcerosa
  • Epilepsie
  • Failed-back-surgery-Syndrom
  • Fibromyalgie
  • Hereditäre motorisch-sensible Neuropathie mit Schmerzzuständen und Spasmen
  • HIV-Infektion
  • HWS- und LWS-Syndrom
  • Hyperhidrosis
  • Kopfschmerzen
  • Lumbalgie
  • Lupus erythematodes
  • Migraine accompagnée
  • Migräne
  • Mitochondropathie
  • Morbus Bechterew
  • Morbus Crohn
  • Morbus Scheuermann
  • Morbus Still
  • Morbus Sudeck
  • Neurodermitis
  • Paroxysmale nonkinesiogene Dyskinese (PNKD)
  • Polyneuropathie
  • Posner-Schlossmann-Syndrom
  • Posttraumatische Belastungsstörung
  • Psoriasis (Schuppenflechte)
  • Reizdarm
  • Rheuma (rheumatoide Arthritis)
  • Sarkoidose
  • Schlafstörungen
  • Schmerzhafte Spastik bei Syringomyelie
  • Systemische Sklerodermie
  • Tetraspastik nach infantiler Cerebralparese

Quelle: Deutscher Hanfverband

Forschung

Wissenschaftliche Informationen

Cannabis hat über 600 bekannte Inhaltsstoffe: 200+ Terpene 100+ Cannabinoide 50 Hydrocarbone 233 Sonstige Inhaltsstoffe

Terpene Cannabis erhält je nach Sorte über 200 Terpene, hier finden Sie eine kleine Auswahl der wichtigsten Terpene.

Limonen

Limonen ist das in Pflanzen am häufigsten vorkommende Terpen. Limonen ist vor allem in Pomeranzen Schalenöl, in Kümmelöl, in Dillöl, in Korianderöl, in Zitronenöl (ca. 65 %)und in Orangenöl (meist >90 %) enthalten. Es weist einen orangenartigen Geruch auf. Aroma: Zitrus / Orange Medizinischer Nutzen: Kann helfen bei Gewichtsverlust, Schutz / Kampf gegen Krebs und Bronchitis.

Myrcen

Myrcen kommt in Pflanzen häufig vor, darunter in Kiefern, Wacholder, Ingwergewächsen, Minzen, Salbei, Kümmel, Fenchel, Estragon, Dill, Beifuß, Engelwurz, Hopfen sowie Hanf und vielen anderen. Aroma: Erdig und nach Moschus mit einer kleinen Note von Früchten. Medizinischer Nutzen: Entzündungshemmend, sedativ und entspannt die Muskeln.

α-Bisabolol

Die ursprünglich aus Spanien stammende Manzana-Kamille enthält besonders große Mengen an Bisabolol (bis zu 45 % des ätherischen Öls). Aroma: Floral Medizinischer Nutzen: Hilft bei der Heilung von Wunden, antibakteriell und Entzündungshemmend.

3-Caren

3-Caren ist mit 30 bis 40 Prozent Hauptbestandteil des Terpentins. Außerdem kommt es in großen Mengen im Öl des Schwarzen Pfeffers (35 Prozent) vor. Zu finden ist es zudem in Citrus-Bäumen, Tannen und verschiedenen Wacholder-Arten. Aroma: Harzig, Erdig Medizinischer Nutzen: Entzündungshemmend.

Borneol

Borneol findet man in Korianderöl, Baldrianöl, Citronellöl, Thujaöl und anderen ätherischen Ölen. Aroma: Erdig, Mottig Medizinischer Nutzen: Schmerzlindernd, Schlaffördernd und Anti-Septisch.

Pinene

Die α- und β-Pinene kommen zum Beispiel in Myrte, Fichtennadeln, Dill, Fenchel, Koriander und Kümmel vor. δ-Pinen zum Beispiel in Rosmarin. Terpentinöl besteht zu etwa 60 % aus α- Pinen. Aroma: Kiefer Medizinischer Nutzen: Entzündungshemmend.

1,8-Cineol

1,8-Cineol kommt in größeren Mengen in Eukalyptus (Eukalyptusöl enthält ungefähr 85 % Cineol) und Lorbeer vor. Weniger stark vorhanden ist es in Minze,Heilsalbei, Thymian, Basilikum und im Teebaum. Aroma: Scharf, Eukalyptus Medizinischer Nutzen: Verwendung bei Atemwegserkrankungen

Terpineole

Terpineole kommen in ätherischen Ölen aus vielen Pflanzen vor, z. B. aus Lorbeer, Rosmarin, Anis, Majoran, Salbei oder Wacholder. Sie finden sich auch im Terpentin. Das ätherische Öl aus Kurkuma enthält bis zu 500 ppm Terpineol, in den Samen des Muskatnussbaums kommen bis zu 9600 ppm α-Terpineol vor. Aroma: Kiefer, Nelke Medizinischer Nutzen: Antioxidationsmittel

Caryophyllene

Caryophyllen kommt in Gewürznelken, vielen Basilikum-Arten, Rosmarin, Zimt, Oregano, Kümmel und Pfeffer vor. Aroma: Gewürz Medizinischer Nutzen: Entzündungshemmend, Anti-Viral und Anti-Biotisch

Cannabinoide

Cannabis erhält je nach Sorte über 100 Cannabinoiden, hier finden Sie eine kleine Auswahl der wichtigsten Cannabinoiden die bis jetzt erforscht sind und für die medizinische Nutzung wichtig sind.

Cannabichromen

Cannabichromen wirkt beruhigend und unterstützt die schmerzhemmende Wirkung des THC. CBC wirkt antibiotisch gegen Pilzinfektionen und zerstört Krebszellen, außerdem wurde es auch schon mehrmals als Antibiotikum verwendet, als normale Antibotika keine Wirkung zeigten.

Cannabidiol

Cannabidiol, einschwach psychoaktive Cannabinoid was entkrampfend, entzündungshemmend, angstlösend und gegen Übelkeit wirkt. Cannabis indica enthält mehr CDB als Cannabis sativa. Eine hohe Dosis CBD bewirkt eine sedierende Wirkung, wobei ein niedrige Dosis CBD anregend wirkt. CBD wird sowohl in der Gattung der Cannabis Sativa, als auch in der Gattung Cannabis Indica als CBD-Carbonsäure gebildet. Die Konzentration von CBD und THC verhält sich antiproportional, d.h. je mehr CBD, desto weniger THC und je mehr THC, desto weniger CBD. Diverse Tierversuche (z. B. an Ratten) zeigen eine Linderung von Schmerzen bei Nervenverletzungen, wenn CBD eingenommen wird.

Cannabidivarin

Cannabidivarin ist nicht psychoaktiv. CBDV ist CBD sehr ähnlich, deswegen befinden sich hohe Dosen von CBDV gerade in Cannabis Indica. Zur zeit wird CBDV von GW Pharmaceuticals untersucht, da CBDV eine Anti-Epileptische und Anti-Krampfende Wirkung besitzen soll.

Cannabinol

Cannabinol ist nicht psychoaktiv und entsteht bei der Oxidation von THC. Zur zeit wird erforscht ob man CBN bei der Behandlung von Autoimmunerkrankungen benutzen könnte, da CBN eine CB-2 Rezeptor Agonist (Signalgeber) ist. CBN ist vorwiegend in Hanfsamen, Hanföl oder Hanffasern zu finden.

Tetrahydrocannabinol

Tetrahydrocannabinol [Delta-9-THC] hat eine berauschende Wirkung und fällt deswegen unter die Bestimmungen des Betäubungsmittelgesetzes. Effekte des “high”- Seins sind Stimmungssteigerungen, Euphorie, Redseligkeit und das Gefühl der erhöhten Einsicht und Bedeutung. THC bindet sich an die Cannabinoidrezeptoren CB1 und CB2. Medizinisch verursacht THC Schmerzlinderung, Muskelentspannung, Appetitsteigerung, Bronchienerweiterung, hemmt Entzündungen und allergische Reaktionen.

Tetrahydrocannabinol Säure

Tetrahydrocannabinol Säure ist nicht psychoaktiv. THCA hat eine entzündungshemmende, neuroprotektive, Anti-Übelkeit, Anti-Prostatakrebs Wirkung . THCA wird nur in frischem, ungetrockneten Cannabispflanzen gefunden. Gerade bei erhitzen zum Beispiel dem rauchen von Cannabis zerfällt THCA. Tetrahydrocannabivarin Tetrahydrocannabivarin ist dem THC sehr ähnlich. In manchen Cannabispflanze kann das THCV Level bis zu 50% betragen. THCV kommt nicht in allen Cannabispflanzen vor. Bis jetzt wurde THCV nur in einigen Cannabispflanzen aus Südafrika gefunden. THCV ist dem THC so ähnlich, dass die gleichen Effekte auftreten wie beim THC, aber in einer wesentlich schwächeren Wirkung.

Cannabigerol

Cannabigerol bindet sich nur schwach an die Cannabinoidrezeptoren im Körper. Trotzdem hat CBG eine schmerzlinderne, antidepressive und krebshemmende Wirkung. Die Wissenschaft ist sich noch nicht sicher, aber CBG könnte aber auch gegen Prostatakrebs, Blasenschmerzen und Überaktivität der Handblase helfen.

Straßenverkehr

Verlust der Fahrerlaubnis

Medizinisches Cannabis im Straßenverkehr: Kann ich als Patient meinen Führerschein verlieren?

Medizinisches Cannabis im Straßenverkehr: Kann ich als Patient meinen Führerschein verlieren? Nach Auskunft der Bundesregierung wird es Patienten, die medizinisches Cannabis verschrieben bekommen, grundsätzlich möglich sein, am Straßenverkehr teilzunehmen. Dabei ist allerdings zu beachten, daß die Führerscheinstellen bei bestimmten Krankheiten, beispielsweise Epilepsie, die Fahrtauglichkeit grundsätzlich in Frage stellen.

Die Frage nach der Fahrtüchtigkeit unter medizinischer Anwendung von Cannabis wird allerdings im jeweiligen Einzelfall entschieden. Wie bei anderen BTM-Medikamenten gilt: Wenn der Arzt der Meinung ist, daß der Patient unter Medikamenteneinfluss fahrbereit ist, darf er sich hinter das Steuer setzen. In einem Merkblatt des Bundesverkehrsministeriums heißt es hierzu: „Während der illegale Konsum von Betäubungsmitteln (außer Cannabis) die Fahreignung nach Anlage 4 Nr. 9.1 FeV ausschließt, führt die Einnahme von Medikamenten nur dann zum Ausschluß der Fahreignung, wenn es zu einer Beeinträchtigung des Leistungsvermögens unter das erforderliche Maß kommt (Anlage 4 Nr. 9.6.2 FeV)“.

Das bedeutet, daß der Patient sich aus Sicht des behandelnden Arztes in einem stabilen, gut eingestellten Zustand befinden muß und die Einnahme des betreffenden Betäubungsmittels seinen Allgemeinzustand nicht wesentlich negativ beeinflußt. Das BfArM äußert sich zu dieser Frage wie folgt : “Ausreichend verläßliche wissenschaftliche Informationen zu dieser Frage liegen nicht vor. Insbesondere zu Beginn der Therapie sowie in der Findungsphase für die richtige Dosierung ist von einer aktiven Teilnahme am Straßenverkehr abzuraten. Ob bei stabiler Dosierung die Teilnahme am Straßenverkehr möglich ist, muß in jedem Einzelfall nach Rücksprache mit den Patientinnen und Patienten entschieden werden.“

Da es aber schwierig ist, im Rahmen einer Straßenverkehrskontrolle zwischen medizinischem und nicht-medizinischem Gebrauch von Cannabis zu unterscheiden, könnte es hier zukünftig zu mehr Problemen kommen.

Aber: Patienten, denen medizinisches Cannabis verschrieben wird, müssen sich an die mit dem Arzt abgestimmte Dosierung halten, denn die Erlaubnis für den Kauf von medizinischem Cannabis in der Apotheke ist keine Berechtigung für einen darüber hinaus gehenden Cannabiskonsum! So urteilte der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg, daß “die Fahreignung ohne Weiteres ausgeschlossen” sei, wenn ein Autofahrer auch erhebliche Mengen illegal beschafften Cannabis konsumiere.

Quelle: Deutscher Hanfverband

Medizinisches Cannabis und Autofahren

Patienten, die im Besitz einer Cannabis-Ausnahmeregelung sind, müssen bei einer Feststellung von THC im Rahmen einer Verkehrskontrolle nicht mit Strafe rechnen. Gemäß §24a Abs.2 Satz 2 StVO liegt keine Ordnungswidrigkeit vor, sofern die Substanz der ärztlichen Verordnung entsprechend eingenommen wurde.[9][10] Beispielsweise darf das Medikament nicht überdosiert eingenommen worden sein.

Anders stellt sich dies im Falle eines Verkehrsunfalls dar: Kann einem Cannabis-Patienten im Zuge der Unfallaufnahme THC im Blut nachgewiesen werden, wird unabhängig von der vorliegenden Ausnahmeregelung sowie von der gemessenen THC- Konzentration ein Strafermittlungsverfahren eingeleitet, wobei mit einem Entzug der Fahrerlaubnis gerechnet werden muss (§69 StGB),[11] wobei im Rahmen des Strafverfahrens zu klären ist, inwieweit der festgestellte THC-Wert in einem Kausalzusammenhang mit den festgestellten Auffälligkeiten oder mit dem Unfallgeschehen steht.[12] Eine Verpflichtung zum Nachkommen eines Urin-Schnelltests im Rahmen einer polizeilichen Verkehrskontrolle besteht überdies nicht, dieser kann straffrei verweigert werden

Dr. Günther Jonitz: Cannabis vs. Führerschein:

Dr. Günther Jonitz (Präsident der Berliner Ärztekammer) über die Stigmatisierung von Cannabiskonsumenten, deren Ausgrenzung und eine Forderung nach einem Amnestiegesetz für diejenigen, die aufgrund der aktuellen Regelungen ohne Vorliegen einer Fahrunsicherheit ihre Fahrerlaubnis verloren haben. Um Ungerechtigkeiten beim Thema Cannabis & Führerschein zu bekämpfen, führen wir eine Kampagne durch, welche dem DHV durch sens media ermöglicht wird. Wir fordern klare Regeln für einen klaren Kopf beim Autofahren! Im Rahmen der Kampagne kommen Betroffene und Experten zu Wort, um auf Missstände aufmerksam zu machen und um eine politische Verbesserung zu erreichen.

Strafanzeige bei Beschlagnahmung

Nach wiederholten rechtswidrigen Polizeibeschlagnahmungen des ärztlich verordneten Cannabis tragen immer mehr Patienten eine derartige vorgefertigte (potentielle) Strafanzeige gegen übergriffige Polizeibeamte bei sich – und dies scheint sich bemerkenswert positiv auszuwirken, und seit dem kommt es nicht mehr zu illegalen Beschlagnahmen der verordneten Heilpflanzen: Download

Fahreignungsbegutachtung bei Cannabismedikation

Bitte lesen

Reisen

Schengener Durchführungsabkommen

Ich bin Cannabispatient und will ins Ausland verreisen. Was muß ich beachten?

Für Auslandsreisen und die geplante Mitnahme der verschriebenen Betäubungsmittel gibt es standardisierte Regeln, die sich jedoch je nach Reiseziel unterscheiden.

Das Reisen mit medizinischem Cannabis ist grundsätzlich wie bei anderen Betäubungsmitteln möglich. Patienten können die im Rahmen ihrer Behandlung mit Cannabis verschriebenen Medikamente gemäß der Betäubungsmittel-Verschreibungsordnung für die Dauer der Reise in einer angemessenen Menge als Reisebedarf ein- und ausgeführen.

Dies gilt nur für Patienten, die Mitnahme von Betäubungsmitteln durch vom Patienten beauftragte Personen ist nicht möglich, „da Betäubungsmittel ausschließlich für den eigenen Bedarf mitgeführt werden dürfen“. Für Bürger, die aus den Vertragsstaaten des Schengener Abkommens stammen, kann bei Reisen die Mitnahme der Medizin relativ einfach erfolgen. Hierfür muß der Patient die vom Arzt ausgefüllte Bescheinigung nach Artikel 75 des Schengener Durchführungsübereinkommens mit sich führen. Zu den Ländern, in denen das Schengener Abkommen gültig ist, gehören:

Belgien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Island, Italien, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, Schweiz, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien und Ungarn. Folgende europäischen Länder gehören nicht zum Schengen-Raum, hier gilt also nicht das Durchführungsabkommen: Rumänien, Kroatien, Bulgarien, Großbritannien, Irland und Zypern. Die erforderliche Bescheinigung ist beim BfArM erhältlich. Diese Bescheinigung muß vor Antritt der Reise durch die oberste Landesgesundheitsbehörde oder eine von ihr beauftragte Stelle auf Grundlage der ärztlichen Verschreibung beglaubigt werden. Wichtig an dieser Stelle: Für jedes verschriebene Betäubungsmittel ist eine gesonderte Bescheinigung erforderlich, zudem sind die Bescheinigungen maximal 30 Tage gültig!

Und was ist mit Reisen in andere Länder?

Aufgrund fehlender internationaler Abstimmung bei der grenzüberschreitenden Mitnahme von Betäubungsmitteln außerhalb des Schengener Raums sind Patienten dazu angehalten, sich vor ihrer Reise über die jeweiligen nationalen Bestimmungen ihres Reiseziellandes zu informieren. Es gibt nämlich einiges zu beachten, da für manche Länder Importgenehmigungen notwendig sind, es Mengeneinschränkungen oder sogar das Verbot der Mitnahme gibt. Zur Klärung des jeweiligen Sachverhalts empfiehlt das BfArM die Kontaktaufnahme zum Auswärtigen Amt.

Patienten, die Betäubungsmittel auch bei Reisen in andere als die oben genannten Länder mitnehmen müssen, rät die Bundesopiumstelle, den Leitfaden des Internationalen Suchtstoffkontrollamtes (INCB) zu beachten. Dieser Leitfaden sieht bei mit Betäubungsmitteln reisenden Patienten eine maximale Reisedauer von maximal 30 Tagen vor. Gemäß dieses Leitfadens sollte sich der Patient von seinem Arzt eine mehrsprachige Bescheinigung mit Angaben zu Einzel- und Tagesdosierungen, Wirkstoffbezeichnung und Dauer der Reise ausstellen lassen.

Diese Bescheinigung muß an die zuständige oberste Landesgesundheitsbehörde des Reiseziellandes oder eine von ihr beauftragte Stelle beglaubigt werden. Patienten sollten diese Bescheinigung bei der Reise mit sich führen. Auch hier bietet das BfArM einen Vordruck. Sollte die Mitnahme der Medikamente nicht möglich sein, ist es Aufgabe der Patienten zu klären, ob diese im Reiseland durch einen dort ansässigen Arzt verschrieben werden können. Wenn auch das nicht möglich ist, bleibt als letztes Mittel nur die Beantragung einer Ein- und Ausfuhrgenehmigung bei der Bundesopiumstelle.

Quelle : Deutscher Hanfverband.

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Weitere Informationen

Weitere Informationen zu Indikationen, Verschreibungsmöglichkeiten und neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen bieten die Internationale Arbeitsgemeinschaft für Cannabinoidmedikamente e. V. (IACM) und das BfArM in Newslettern und auf ihren Internetseiten:

http://www.cannabis-med.org

http://www.bfarm.de

Ein Artikel, der Ärzte im Deutschen Ärzteblatt informiert, findet sich hier: https://www.aerzteblatt.de/archiv/186476

Buchempfehlung für Ärztinnen und Ärzte

Falls Ihr Arzt einer Behandlung mit Cannabis nicht ablehnend gegenüber steht, sich jedoch nicht auskennt, so gibt es ein Buch, das die wichtigsten Informationen zum Thema enthält.

Grotenhermen F, Häußermann K. Cannabis: Verordnungshilfe für Ärzte. Wissenschaftliche Verlagsge- sellschaft Stuttgart. 60 Seiten, 19,80 €.